Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

wurm_up
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Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon wurm_up » 10.01.2017, 12:09

Hallo zusammen,

in Frauenhofer ISE "Feldmessung Wärmepumpen im Gebäudebestand" [1] wird auf Seite 14 Abbildung 9 dargestellt, dass der Gütegrad der Wärmepumpe in der Anlaufphase zumeist viel schlechter ist, als im stabilen Heizbetrieb.
Aus Abb. 9 geht auch hervor, dass dies aber nicht immer zutrifft. Der Gütegrad ist bei manchen System im Anlauf/stabilen Betrieb fast gleich.

1) wie muss ein Wärmepumpensystem ausgeführt sein, dass der Gütegrad Anlauf/stabiler Betrieb nahe beieinander liegt
2) wenn 1) gewährleistet ist, sollte dann trotzdem die Heizungsführung auf lange Heizintervalle eingestellt werden
3) welche Schwankungen der Raumtemperatur wären akzeptalel/zu erwarten bei "quasipermanter" Heizungsführung

Wie sind eure Erfahrungen?
Frage 3) ist schwammig, ja. Mir fällt im Moment keine bessere Formulierung ein. Ziel ist es, die Jahresarbeitszahl zu maximerien, indem die Wärmepumpe im optimalen Arbeitsbereich (also meist nicht 100% Leistung) arbeitet.

Grüße micca

[1] http://wp-effizienz.ise.fraunhofer.de/d ... assung.pdf

Franke...
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Franke... » 10.01.2017, 12:35

Hallo Micca,

Zunächst einmal ist es abhängig von der Quelle, der Quellen- und Heizkreistemperatur und speziell bei Luft von der Außentemperatur ( zusätzlich beeinflusst von Flussnähe bzw. Nebel )

Je nach Hersteller und System dauert eine gewisse Zeit, bis der Kältekreis "eingeschwungen" ist. Ab dann sollte er maximale Effizienz liefern. Irgendwann fällt dann die Verdampfungstemperatur, da die Quelle abkühlt oder der Verdampfer zur jetzigen Jahreszeit anreift/vereist. Bei Grundwasser sollte die Temperatur bspweise gleich bleiben.
Die sinkende Verdampfung zieht die Effizienz nach unten.

Wielange dies sinnvoll sein mag ist Anlagenabhängig. hier gibt es ( kann es nicht geben ) keine weitere Pauschalaussage.
Wenn überhaupt könnte man sagen Laufzeiten ab 30 min sind OK.

Am einfachsten geht die Kontrolle mit dem Stomzähler und einem WMZ auf der Abnehmerseite ( Heizung ).
Besser noch Grafisch dargestellt in einer Visualisierung, was manche Hersteller bereits im Programm haben.

Schwieriges Thema!

Christian H
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Christian H » 10.01.2017, 21:55

Ha

So einen "COP-Meter" suche ich schon lange.
Strom und WMZ über Bus an ein Zusatzgerät, welche direkt den COP auswirft bzw. mitloggt.

wer hat, wer kann oder weiß wo ?

Christian

eisvogel
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon eisvogel » 12.01.2017, 10:30

Hallo Christian !
Hier kannst du stöbern.
http://www.ta.co.at
Nicht ganz billig, aber nahezu unbegrenzte Möglichkeiten.
In der Praxis sieht dann das so aus.
http://www.members.aon.at/thermoscope
Fahre zur Zeit mit leicht abgesenkten Raumtemperaturen,
Da ich nicht zuhause bin.
Die Anlage läuft seit 4 Tagen und Nächten ( Wärmepumpe) ohne zu stoppen.

Mit freundlichen Grüßen
Eisvogel

wurm_up
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anspruchsvolle Heizungsauslegung

Beitragvon wurm_up » 12.01.2017, 13:17

Hallo Herbert,

vielen Dank für das Teilen deiner Visualisierung des Heizungssystems. Es sollten mehr ihre Daten zur Verfügung stellen. So kann man lernen.

An welchen/wievielen Tagen muß eigentlich die WW-WP arbeiten, wenn der Heizungsbedarf noch bei 6°C allein über Solarkollektoren gedeckt wird.
Sind die Wärmeübertrager, im Schaubild mit Radiatoren/Konvektoren bezeichnet, Heizkörper oder eine FB-Heizung?
Wieviel qm werden beheizt?

So eine Systemgestaltung kann man nur fahren, wenn man die Anlage selber bauen und warten kann. Ansonsten sind die Kosten meines erachtens immens. Und auch sehr komplex.
Wahrscheinlich für viele verwunderlich, aber ich fange beim meiner Hausplanung zuerst mit der Heizungsanlage an. Bei meinem jetzigen Kenntnisstand soll es eine monovalente LW-Wärmepumpe und ein Belüftungssystem mit WRG sein. Eventuell (Gesetzte) noch 1-2 kWp Photovoltaik.
Ich möchte den Heizbedarf von 15 kWh/a/m² erreichen oder unterschreiten. 100-110 m² Kubus, 30-40 cm Außendämmung, FB (Vorlauf ca. 30°C), WRG.

Grüße
micca

Jens Meyer
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Jens Meyer » 12.01.2017, 19:35

Wenn Du tatsächlich mit dem Jahresbedarf so weit runtergehen kannst, würde ich direkt mit Splitgeräten heizen, die ihre Leistung sehr weit runtermodulieren können. Eine elektrische Direktheizung wäre dann auch schon eine Möglichkeit und von den Investkosten unschlagbar und auch sehr gut stufenlos regelbar von 0% auf 100%.

wurm_up
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passivhaus oder nicht passivhaus, das ist hier die Frage

Beitragvon wurm_up » 12.01.2017, 20:50

Hallo Jens,

es ist wohl möglich und es gibt auch viele PDFs, in denen dokumentiert wird, dass Passivhäuser ohne Zusatzheizung funktionieren. Aber selbst diese Häuser haben nach der WRG eine Wärmepumpe oder einen Erdwärmetauscher.
Der Autor Haas "Der Weg zum Null-Energiehaus" hat sich auch eine FB mit Wärmetauscher in sein Passivhaus gepackt.

Eine Direktheizung durch eigenen Strom (10 kWp liefert auch am tiefsten Wintertag 3-10kWh bis auf einige wenige Tage) war auch ein Gedanke von mir. Aber ein Freund hat mich darauf hingewiesen, dass ja dann kein Speicher (durch FB-Leitungen und event. HZ-Speicher) im System vorhanden ist. Zudem kosten Infrarotheizungen auch um die 1000 Euro. Wären dann 15.000 Euro PV + 5.000 Euro Infrarothz. + WW-System.
Oder ohne PV 5.000 Euro Infrarothz. + WW-System. Wären bei 100 m² 900 Euro/a Betriebskosten (15 kWh Hz + 15 kWh WW; 3000 kWh * 0,3 Euro überschlagen).

Ehrlich gesagt, würde ich es mich nicht trauen ohne FB und Wärmepumpe. Ich müßte schlagende Beweise vorfinden...

Gruß micca

Franke...
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Franke... » 12.01.2017, 23:32

Hallo Micca.

Bei einem Passivhaus würde ich diese Anlage in Betracht ziehen.

http://www.nilan.de/startseite/losungen ... /compact-p

Die ist effizient und hat alles was du brauchst. Es benötigt keine FBH und du kannst auf Wunsch im Sommer aktiv die Zuluft kühlen.
PS: Es ist keine Abluftwärmepumpe.

Jens Meyer
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Jens Meyer » 13.01.2017, 10:06

Wer spricht denn von Infrarot-Heizungen? Ich meine eine elektrische Widerstandsheizung als Heizregister für die KWL. Ein Heizregister lässt sich sehr gut regeln und ist günstig in der Anschaffung. Bei 30 cm bis 40 cm Dämmung wird die Heizleistung sehr gering sein, der Invest für ein wasserbasiertes System wird sich niemals rechnen. Hier wird ein Haus mit 10 cm Dämmung und 163 m² beheizter Fläche mit einer auf 3,5 kW gedrosselten Gas-Therme ganzjährig gleichmäßig beheizt. Die Gas-Kosten liegen unter 400 Euro / Jahr.

Speichermasse erhält man durch Baustoffe mit hoher Wärmekapazität. Eine Betondecke und eine Bodenplatte von 100 m² haben ungefähr die gleiche Speicherkapazität wie ein 25000-Liter-Wasser-Speicher. Dazu noch ein paar Innenwände aus Kalksandstein und fertig ist der Wärmespeicher.

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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon jogi54 » 13.01.2017, 19:33

Jens Meyer hat geschrieben:Hier wird ein Haus mit 10 cm Dämmung und 163 m² beheizter Fläche mit einer auf 3,5 kW gedrosselten Gas-Therme ganzjährig gleichmäßig beheizt. Die Gas-Kosten liegen unter 400 Euro / Jahr.

Speichermasse erhält man durch Baustoffe mit hoher Wärmekapazität. Eine Betondecke und eine Bodenplatte von 100 m² haben ungefähr die gleiche Speicherkapazität wie ein 25000-Liter-Wasser-Speicher. Dazu noch ein paar Innenwände aus Kalksandstein und fertig ist der Wärmespeicher.


400€/a sind bei 0,06€/kWh schon mal ca 6600kWh/a. 6600kWh/a /163m² = 40kWh/m²a was weit mehr ist, als micca da anstrebt.

wurm_up hat geschrieben:Wahrscheinlich für viele verwunderlich, aber ich fange beim meiner Hausplanung zuerst mit der Heizungsanlage an. Bei meinem jetzigen Kenntnisstand soll es eine monovalente LW-Wärmepumpe und ein Belüftungssystem mit WRG sein. Eventuell (Gesetzte) noch 1-2 kWp Photovoltaik.
Ich möchte den Heizbedarf von 15 kWh/a/m² erreichen oder unterschreiten. 100-110 m² Kubus, 30-40 cm Außendämmung, FB (Vorlauf ca. 30°C), WRG.

Grüße
micca


Um 15kWh/m² a zu erreichen, darf da nix schief gehen, da kann ich nur empfehlen, lesen , lesen, lesen...

Womit, stellst du dir vor, die Außendämmung zu machen ??? 40cm sind arg viel...

LG jogi

Jens Meyer
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Jens Meyer » 13.01.2017, 20:55

Ich habe auch viel weniger Dämmung und wollte nur mal auf die Kostenverhältnisse hinweisen.

Bei einer geplanten Dämmung von 30 cm oder 40 cm (keine Ahnung, wie man das überhaupt statisch hinbekommt), wird die benötigte Wärmemenge so gering sein, dass eine Strom-Direkt-Heizung dank der geringen Invest-Kosten die günstigste Lösung sein wird. Hier wäre es sinnlos, tausende von Euros in ein wasserbasiertes System zu stecken.

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deshalb so einfach wie möglich

Beitragvon wurm_up » 13.01.2017, 21:12

Hallo Jogi,

Jens meinte, dass ?sein? Haus mit nur 10 cm Dämmung und 163 m² auch nur auf 400 Euro HZ-Kosten kommt. Was in meinen Augen als gering einzustufen ist. Wenn es so bei 40kWh/m²a liegt.
Ich glaube er wollte damit nur aufzeigen, dass beim stark gedämmten Haus eben noch weniger Heizkosten entstehen und dann mehr die Investitionskosten der HZ-Anlage ins Gewicht fallen.

Was hälst du von Poroton Planziegel T7-36,5 (U-Wert 0,18) und dann noch ein paar Zentimeter Polystyrol. Oder gleich Poroton Planziegel T7-49 (U-Wert 0,14).

Eine verrückte Idee von mir war (da das Gebäude keinen Keller und ebenerdig sein soll, 11m² x 11m²): Das Dach mittels Holzständern freitragend (Muß man sich dann vorstellen wie einen überdimensonierten Carport oder PV-Untersteller von Bauern) und dann Wände hochziehen mit reinen Dämmblöcken z.B. XPS.
Der Vorteil der Methode wäre, man kann die Wände ohne große Vorkenntnisse hochziehen und ist leicht zu verarbeiten. Nicht lasttragend. Dämmung schon vorhanden. Kein Kompositmaterial, daher weniger Feuchteprobleme/Probleme mit Taupunkt. Schlitze und Durchleitungen einfach.
Nachteile/Probleme: Windlasten, Zulassung Feuerbeständigkeit, fehlende thermische Masse, Fenster?, Türen?

viele Grüße
micca

Jens Meyer
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Jens Meyer » 13.01.2017, 21:36

Wände mit einem u-Wert von 0,18 sind aber jetzt wirklich nicht besonders gut. Damit sind Deine Ziele wohl kaum erreichbar. Das gleiche gilt für die ebenerdige Ausführung, weil diese ein ungünstiges Verhältnis von Hüllfläche zu Wohnfläche aufweist.

Franke...
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Re: Wärmepumpenbetrieb kurz/häufig vs lang/selten

Beitragvon Franke... » 14.01.2017, 15:09

Egal was du drauf machst. Keinesfalls HCBD haltigen Sondermüll auf die Fasade!


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